Nachdem ich mir im Sommer die Seagate Exos M sowie IronWolf Pro mit 30 TB auf Hardwareluxx angesehen hatte (Link zum Artikel), folgt nun auf dem Fireblsblog der Test zum Nachfolger. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Festplatte mit HAMR, nur eben mit einer erhöhten Platterkapazität von 3,2 TB je Platter. Dass dies keine hohe Steigerung darstellt, ließ Seagate bereits verlauten. Am Seagate-Stand auf dem Cloud Fest 2026 in Rust wurden bereits Varianten mit bis zu 44 TB vorgestellt, die bereits bei Großkunden getestet werden. In Branchenkreisen heißt es weiterhin, dass auch 5 TB je Platter bei Seagate intern erfolgreich getestet wurden – auch wenn es hierzu noch keine verfügbaren Informationen gibt. Was auf jeden Fall sichtbar wird: HAMR ist da und gekommen um zu bleiben. Hier werden wir, ähnlich der Helium-Einführung in 2017, wieder eine interessante Zeit vor uns haben und ich werde mir nach Möglichkeit jede Kapazität ansehen, egal ob hier oder auf der Hardwareluxx Plattform.

Eine Neuerung innerhalb der M-Serie gibt es laut Product-Manual ebenfalls. Neben der kleineren Exos M mit 28 TB gibt es nun auch ein 24-TB-Modell mit der Seagate-Kennung ST24000NM001K, welches ebenfalls die Technologie HAMR benutzt. Das konventionelle Modell ST24000NM002H wird weiterhin im Seagate-Exos-Datenblatt gelistet.
Auf die Gefahr hin, dass auch nicht Festplatten-affine Leser diesen Artikel erblicken, folgt hier noch einmal eine allgemeine Einordnung: Bei der Seagate Exos M mit 32 TB handelt es sich um eine Enterprise-Festplatte. Diese kann 24/7 betrieben werden und hat mit einer MRW von 550 TB die Herstellerfreigabe zur dauerhaften Last innerhalb des Anwendungsfalls. Enterprise-Festplatten sind rein auf Leistung und Langlebigkeit optimiert. Eine Reduktion der elektrischen Leistungsaufnahme oder der Geräuschemissionen ist nicht vorgesehen. Dass dies aber nicht unbedingt zu einer lauten Festplatte führen muss, werde ich später im Artikel noch zeigen.
Wer dennoch speziell auf eine Festplatte mit entsprechenden Optimierungen aus ist, findet dies bei der Seagate Iron Wolf Pro, 32 TB.
Durchführung – Teil 1
Lieferumfang und technische Daten
Ein passendes Datenblatt konnte ich glücklicherweise noch finden.
| Hersteller | Seagate |
| Serie | Exos M |
| Modell | ST32000NM004K |
| Kapazität | 32 TB |
| Platter | 10 |
| Lese-/Schreibköpfe | 20 |
| Betriebstemperatur | 10°C – 60°C |
| Aufnahmemethode | CMR (HAMR) |
| Lade- / Entladezyklen | 600000 |
| Workload-Rate | 550 TB |
| Cache | 512 MB |
| U/min | 7200 U/min |
| Übertragungsgeschwindigkeit (max.) | 285 MB/s |
| nicht korrigierbare Lesefehler pro gelesenem Bit, max. | < 1 Sektor pro 10E15 |
| Übertragungsstandard | SATA III |
| Energieverbrauch Last/Leerlauf/Standby | 9,5 W / 6,9 W / keine Angabe |
| Geräusch ( dB(A) ) Leerlauf /Last | 30 / 34 |
| MTBF | 2.500.000 |
| Garantie | 5 Jahre |
Anmerkung: Eine aktuelle Speicherdichte von 3,2 TB je Platter entspricht einer kTpi von 738, ein phänomenaler Wert, auf die Entwicklung der letzten Jahre bezogen. Vor wenigen Jahren waren Werte von über 500 nur mit der SMR-Technologie zu erreichen.
Detaillierte Bilder

Die Vorderseite mit dem Etikekett der Exos. Im Gegensatz zur ST30000NM004K steht neben dem Exos-Schriftzug nur noch „Exos Mozaic“ anstelle von „Exos M Mozaic3+“. Ansonsten entspricht die Vorderseite dem Vorgänger.

Die Rückseite ist exakt gleich mit der 30-TB-Variante. Auch die Platine ist augenscheinlich nicht verändert worden.

Weiterhin löblich: Die volle Anzahl an Punkten zur Befestigung steht weiterhin zur Verfügung.


Die Vorder- und Rückseite der Festplatte mit dem SATA-Anschluss.
Bewegte Bilder
Natürlich gibt es auch zu dieser Festplatte ein Video auf dem Youtube-Kanal des Fireblsblogs.
Link zum Video
Durchführung – Teil 2
Energieverbrauchsmessung
Die Energieverbrauchsmessung führe ich wie üblich für Festplatten durch. Den genauen Ablauf der drei Tests habe ich auf einer separaten Seite beschrieben. Hier gehts zu den Messmethoden.
Legende zu den Messungen:
Kanal 1 (gelb) stellt die Spannungsmessung 12 V bei einer Darstellung von 10 V je Kästchen dar. Kanal 2 (türkis) stellt die Spannungsmessung 5 V bei einer Darstellung von 5 V je Kästchen dar. Kanal 3 (rosa) stellt den Stromverlauf auf der 12 V Schiene dar, bei einem Verhältnis von 2 A je Kästchen. Kanal 4 (blau) stellt den Stromverlauf der 5 V Schiene bei einem Verhältnis von 1 A je Kästchen dar. Der mit MATH gekennzeichnete Kanal stellt das Produkt einer Multiplikation von Kanal eins und drei dar, also die Leistung auf der 12 V Schiene. Für 5 V müssen wir diese Berechnung von Hand durchführen. Da das Oszilloskop uns eine .csv Datei mit allen Messwerten erstellt hat, ist das kein Problem.
U ist die Bezeichnung für Spannung und wird in Volt (V) angegeben. I ist die Bezeichnung für Strom und wird in Ampere (A) angegeben. P ist die Bezeichnung für die elektrische Leistung und wird in Watt (W) angegeben.
Messung 1 Anlauf

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:
| Kanal | Max | AMP1 |
| U 12V | 12,0 V | 11,8 V |
| U 5V | 5,20 V | 5,13 V |
| I 12V | 2,24 A | 1,83 A |
| I 5V | 0,88 A | 0,91 A |
| P 12V | 26,40 W | 22,0 W |
| P 5V | 4,58 W | 4,66 W |
1Spannungswert zwischen dem Mittelwert der oberen Signalformdachschräge und dem Mittelwert der unteren Signalformdachschräge. Dieser ermöglicht uns eine bessere Interpretation der Ergebnisse im hohen Wertebereich, da so die höchsten Spitzen mathematisch geglättet werden.
Die Werte für den Anlauf sind typisch für eine große Helium-Festplatte. Gut erkennbar an der Aufzeichnung, zur Begrenzung des Anlaufstroms dauert der Vorgang entsprechend lange. Mittig auf dem Diagram ist zu sehen, wie sich die Festplatte kalibriert.
Messung 2 Idle

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:
| Kanal | Durchschnitt | |
| U 12V | 11,9 V | |
| U 5V | 5,00 V | |
| I 12V | 0,406 A | |
| I 5V | 0,276 A | |
| P 12V | 4,38 W | |
| P 5V | 1,38W |
Die Festplatte hat hier nicht ihre Ruhezustände erreichen können. Aufgrund meiner Erfahrungen aus den letzten acht Jahre würde ich die 3,136 W im Idle_c des PowerChoice als realistisch ansehen. Hierfür benötigen wir eine Zugriffsfreiheit von 10 Minuten, welche mein Testsystem der Festplatte aber leider nicht innerhalb des Testzyklus gewährt hat.
(Seagate Exos SATA Product Manual, Seite 12, Kapitel 2.5.1 aus 210048100, Rev E von Dezember 2025)
Messung 3 Kopieren

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:
| Kanal | Max | Durchschnitt |
| U 12V | 12,0 V | 11,9 V |
| U 5V | 5,20 V | 5,00 V |
| I 12V | 1,92 A | 0,396 A |
| I 5V | 0,92 A | 0,627 A |
| P 12V | 22,4 W | 4,3 W |
| P 5V | 4,784 W | 3,135 W |
Auch wenn die Ergebnisse hoch ausfallen, lässt sich doch eine leichte Verbesserung hinsichtlich der Exos M mit 30 TB erkennen, welche ich auf Hardwareluxx getestet habe (Link zum Artikel auf Hardwareluxx.de)
Messung 4 Random-Access-Read

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:
| Kanal | Max | Durchschnitt |
| U 12V | 12,0 V | 11,9 V |
| U 5V | 5,20 V | 5,00 V |
| I 12V | 1232 A | 0,94 A |
| I 5V | 0,760 A | 0,42 A |
| P 12V | 27,2 W | 10,70 W |
| P 5V | 3,95 W | 2,10 W |
Auch hier zeigt sich, wie beim Vorgänger, unter hoher Last genehmigt sich die Exos M etwas mehr Leistung, wobei sie mit kombinierten 12 Watt immer noch voll im Rahmen einer Enterprise-Festplatte mit Helium-Füllung ist.
Benchmarks
Für die Benchmarks habe ich die Festplatten im Hardwareluxx.de-Test-PC gemessen, um eine Vergleichbarkeit mit den Hardwareluxx-Ergebnissen herstellen zu können. Das Testsystem kann hier eingesehen werden.
Chrystal Disk Mark 6.0.2


Chrystal Disk Mark 8.0.0




ATTO Disk Benchmark 4.00.0f2




HD-Tune Pro 5.70 Lesen

HD-Tune Pro 5.70 Schreiben

HD-Tune Pro 5.70 Random-Access-Read

Bewertung
Die Ergebnisse der Benchmarks entsprechen den Erwartungen aus den Leistungsmessungen des 30-TB-Modells auf Hardwareluxx. Die maximale Transferrate entspricht den Angaben in den Datenblättern und die Graphen in HD-Tune sind bis auf eine Unruhe in der Lese-Kurve sehr gut.
Schallpegelmessung
Bei der Schallpegelmessung wird, wie bei der Messtechnik beschrieben, der Betriebsschallpegel gemessen.

Mit einem maximalen Schalldruckpegel von 23,2 dB(A) ist die Exos M mit 32 TB die mit Abstand leiseste Festplatte, die ich bisher gemessen habe. Die Zugriffe sind zwar vernehmbar, aber man muss wirklich gut hinhören. Ebenfalls der Durchschnitt zwischen Messpunkt A und B, der mit 21.5 dB(A) noch erstaunlicher ist. Obwohl die Exos hierfür keine Optimerungen besitzt, ist es die empfehlenswerteste Festplatte für leise Anwendungen – ausgehend von der Betrachtung dieses einen Musters.
Fazit
Der Test der Seagate Exos M mit 32 TB war wieder eine große Freude und ein voller Erfolg, gerade im Hinblick auf die Betriebslautstärke. Die angegebene maximale Transferrate konnte ich im Lesen erreichen, beim Schreiben blieben die Werte leicht darunter, die mit über 270 MB/s jedoch vollkommen ausreichende Ergebnisse darstellen. Die Aufnahme elektrischer Leistung ist, wie auch bei der ersten getesteten HAMR-HDD auf Hardwareluxx.de, etwas höher als bei den vorhergehenden CMR-HDDs. Hierbei muss man der zusätzlichen Technologie einen Tribut zollen. In Verbindung mit der enormen Speicherplatzsteigerung von mehr als 30% lässt sich dies verschmerzen. Alles in allem ein wirklich interessanter Einblick in die Welt der HAMR-Festplatten, der Lust auf mehr macht.
Einzig der Preis verursacht gegenwärtig Kopfschmerzen. Genauso wie bei den PCI-Gen-5-SSDs, welche mich aktuell auf Hardwareluxx beschäftigen, ist auch der Preis der Exos stark gestiegen. Angekündigt wurde die ST32000NM004 mit Preisen um 800 Euro für eine Festplatte. Ein stolzer Preis, wenn man in Betracht zieht, dass die 30-TB-Varianten Mitte des Jahres 2025 noch für rund 600 Euro auf den Markt kamen. Leider ist es dabei nicht geblieben – zwischen 1100 Euro und 1200 Euro (Geizhals) müssen aktuell für die Exos mit 32 TB ausgegeben werden. Das bewirkt einen enormen Anschaffungswiderstand, welcher in der heutigen Zeit leider bei vielen Computer-Komponennten zum Standard geworden ist. Hoffentlich lässt eine zukünftige, günstigere Marktlage den Preis wieder sinken.
