Firebls Festplatten Guide

Welche Festplatte für welche Anwendung?

Oft werde ich gefragt, welche Festplatte für welchen Zweck verwendet werden kann. Obwohl die Festplatten Hersteller viel Geld in Marketing investieren, zeigt sich hier, das die grundlegenden Informationen nicht ausreichend bei den Kunden ankommen.

Viele haben zwar gehört, dass es Festplatten für unterschiedliche Einsatzzwecke gibt, aber inwiefern sich jene unterscheiden und welchen Sinn dies hat, scheinen viele noch nicht verstanden zu haben. Manche verbauen sogar mit voller Absicht für den Zweck ungeeignete Laufwerke und wundern sich dann über einen verfrühten Ausfall oder ungewollte Nebeneffekte. Leider kommt es sehr häufig vor, dass zum Beispiel normale Konsumenten-Festplatten wie Seagate BarraCuda oder Western Digital Blue/Black in NAS oder Homeservern verbaut werden. Diese Festplatten sind aber weder für den Dauerbetrieb, noch für den Betrieb im RAID-Verbund mit mehreren Laufwerken geeignet. Durch die Hersteller wird klar kommuniziert, dass die Festplatten technisch nicht für einen Permanentbetrieb ausgelegt sind und auch keine Sensoren zur Erkennung von Schwingungen vorhanden sind, wie sie von mehreren laufenden Festplatten erzeugt werden.

Hinzu kommen hier auch Sparfüchse, welche ,vermeintlich schlau, externe Festplatten kaufen, die Gehäuse öffnen und die dort verbauten Festplatten in ihren dauerhaft laufenden Systemen nutzen. Hier werden dann auch noch Gerüchte verbreitet, dass die darin verbauten, weiß gelabelten OEM Festplatten angeblich z.B. hochwertige NAS Festplatten wären. Es ist zwar durchaus denkbar, dass Hersteller aufgrund von Überproduktionen höherwertige Festplatten in diesen Produkten verbauen, aber dennoch ist die Vorgehensweise ein Vabanquespiel.

Das bringt mich gleich zum nächsten Thema, welches auch mit Glücksspiel zu tun hat – nämlich Festplatten, welche als recertified verkauft werden.

Hier kann es sich entweder um Festplatten handeln, welche aus RMAs zurück kamen und repariert wurden oder um überprüfte Gebrauchtware. Hierbei gibt es gleich zwei Probleme. Erstens werden die Smartwerte bei diesem Prozess zurückgesetzt, sodass nicht mehr nachvollzogen werden kann, was die Festplatte bereits erlebt hat. Zweitens heißt recertified nicht zwangsläufig, dass die Festplatte durch geschulte Mitarbeiter des Hertellers überprüft und instandgesetzt wurde. Auch verkaufen vereinzelte Händler Festplatten, welche sie überholt haben als recertified.

Aber selbst wenn man im Internet nach nicht recertified Festplatten sucht, ist dennoch Vorsicht geboten. Gerade bei Western Digital gibt es unter dem Begriff RED 3TB oder dem Modell WD30EFRX seit neun Jahren 3 TB HDD’s fürs NAS an. Hier kann man einzig am auf der Festplatte aufgebrachten Produktionsdatum erkennen, aus welchem Jahr und welcher Revision die Festplatte stammt. Aber auch bei anderen Herstellern muss genau auf die Modellbezeichnung geachtet werden. Hier wird zum Beispiel die Seagate SkyHawk 10TB 3,5″ HDD von einem Internethändler besonders günstig vertrieben. Bei einem genauen Blick ins Datenblatt auf der Website lässt sich erkennen, dass es sich um das Auslaufmodell ST10000VX0004 und nicht um die aktuelle ST10000VX008 handelt. Im ersten Moment könnte man meinen, dass ein solcher Unterschied keine große Auswirkung hat. Bei Festplatten handelt es sich aber um hochpräzise mechanische Produkte.

Aber meine Festplatte hat doch erst 150 Betriebsstunden?

Auch außer Betrieb altern diese Laufwerke. Seagate schreibt zum Beispiel in ihren Datenblättern, dass Festplatten unter bestimmten Bedingungen unverpackt nicht länger als einen Monat ohne Betrieb gelagert werden sollten. Auch original verpackt sollten Festplatten nicht länger als 12 Monate lagern. Kauft man nun eine Festplatte, welche nachvollziehbar seit mehreren Jahren nicht mehr hergestellt wird, kauft man wieder die Katze im Sack.

Das alles bedeutet natürlich nicht das die Festplatte zwangsläufig „dead on arrival“ sein muss, jedoch bewegen wir uns hier in die Richtung eines Lotteriespiels. Nachdem der Weltmeister im Paketweitwurf uns die Festplatte bis zur Haustür bringt und vorher der Händler an der Verpackung gespart hat, haben wir die Hoffnung das unsere Daten auf einer nicht weiter spezifizierten, gebrauchten Festplatte sicher sind. Alternativ bauen wir wegen 10€ Ersparnis eine Festplatte, von welcher wir hoffen das es die richtige ist,  irgendwo aus und verzichten so auf Garantie.

In vier Schritten zur richtigen Festplatte

Wem hier die paar gesparten Euro so wichtig sind, dass er dieses Risiko eingeht, dem ist auch durch diesen Artikel nicht mehr zu helfen.

Die richtige Vorgehensweise ist wie folgend aufgeführt:

1 . Nutzungsart bestimmen – Was möchte ich mit der oder den Festplatten tun?

2. Anzahl der benötigten Festplatten – benötige ich aus Sicherheitsgründen ein RAID? Möchte ich mehr Geschwindigkeit durch ein RAID10?

3. Größe einschätzen – Wie groß müssen die Festplatten sein?

4. Geschwindigkeit – Brauchen wir nur ein Datengrab oder eine schnelle Festplatte?

Jetzt ist z.B. schon mal klar: Wir benötigen zwei Festplatten mit min. 7200 upm, 10 TB groß und wollen diese in ein NAS packen.

Nun können wir bei einem auf Computer Hardware spezialisierten Händler den Hersteller und das Modell auswählen. Hier kommen dann je nach Nutzungsart weitere Überlegungen dazu.

Bei einer Nutzung in einem NAS benötigen wir auf jeden Fall RV-Sensoren, damit die Festplatten trotz Störung durch gegenseitige Vibrationen bei voller Geschwindigkeit arbeiten können. Diese haben schonmal alle gängigen NAS-Festplatten wie z.B. Toshiba N300, Western Digital RED oder Seagate IronWolf.  Vom Prinzip her können wir jetzt einfach anhand von Größe, Nutzung und Drehzahl das günstigste Modell kaufen.

Es sollte aber genau ins Datenblatt geschaut werden oder Vergleichstests studiert werden. Bei der Toshiba N300 ist jedoch Vorsicht geboten, da es sich noch um eine konventionelle, luftbefüllte Festplatte handelt. Diese hat gegenüber den Helium-befüllten einen höheren Stromverbrauch durch ihre neun Platter (Toshiba N300, 10 TB, HDWG11AEZSTA). Helium gibt es bei Toshiba erst ab 12 TB. WD hat mit der WD101EFAX auch wieder auf Luft bis 10 TB umgestellt. Bei Seagate sind alle IronWolf-Modelle größer/gleich 10 TB Helium befüllt.

Je nachdem welches NAS Verwendung findet, können auch sinnvolle Feature genutzt werden. Seagate bietet zum Beispiel das HealthManagement bei IronWolf und SkyHawk Festplatten an. Dieses wird von gängigen NAS Herstellern wie Synology oder QNAP unterstützt und verspricht eine bessere Vorwarnung vor Totalausfällen.

Die Anzahl der Festplatten legt sich recht einfach aus Budget und Anforderung zurecht. Ein RAID 1 wäre immer zu empfehlen, da so beim Ausfall einer Festplatte die Daten noch vorhanden und nutzbar sind. Gleichwohl ersetzt ein RAID kein Backup!

Gerade beim Rebuild eines defekten Arrays, also wenn eine neue Festplatte eine defekte ersetzt und die beiden Festplatten synchronisiert werden, ist das eine enorme Belastung für die alte, verbliebene Festplatte und das Ausfallrisiko ist sehr hoch. Hier sollte also immer ein „kaltes Backup“ vorhanden sein. Eine Festplatte im Schrank mit einer Sicherheitskopie der Daten.

In Zeiten von großen und schnellen Helium-Festplatten sind meist zwei HDD für ein RAID1 ausreichend. Einerseits stellen sie mindestens 10 TB Speicherplatz zur Verfügung und andererseits liegen alle Heliummodelle bei über 200MB/s Transferrate. Hier ist also mehr als 1 Gbit/s Netzwerkgeschwindigkeit notwendig, um allein eine Festplatte auszulasten. Ein RAID 10 mit vier Festplatten würde also nur Sinn machen, wenn bereits 10 GBit/s Ethernet vorhanden ist.

Die Helium-Festplatte dient auch als Überleitung zum nächsten Thema, der Größe. Hier muss, wie schon gesagt, eine Festplatte in der Lage sein, die gesammten Daten zu fassen. Die eventuell zweite Festplatte dient ja nur als Spiegel. Zwar kostet zusätzliche Kapazität auch mehr Geld, aber je mehr Platz auf der Festplatte freibleibt, desto schneller ist sie. Auch sollte, bei einer Investition in diesem Rahmen, an die Zukunft gedacht werden. Zum Thema Helium-Festplatten bei Seagate und wie man sie unterscheidet, habe ich letzte Woche bereits einen Kommentar geschrieben. (Link)

Abschließend bleibt nur die Frage zu klären, ob es eine Festplatte mit ca. 5400 rpm oder 7200 rpm sein soll. Da es hier um ein „Datengrab“ geht bzw. die 1 GBit/s Ethernetanbindung meistens limitiert, richtet sich diese Frage eher nach der weiteren Austattung. Gerade Rescue Dienste oder höhere Kapazitäten sind meist sowieso hochwertige, schnell drehende Laufwerke. Diese Frage klärt sich also meist schon bei der Bestimmung der Nutzungsart und der Auswahl des passenden Produkts. Wer natürlich noch virtuelle Maschinen auf seinem NAS betreiben möchte, wie z.B. einen UNIFI Controller oder einen Router, der sollte schon mindestens zu 7200 rpm greifen. Hier wäre sogar die Überlegung zu speziellen NAS SSD möglich, wie der Seagate IronWolf 110 SSD oder der WD RED NAS-SSD SA500.

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