Western Digital Green, 4 TB, WD40EZRX im Test. Ein moderner Klassiker.

Nach zwei WD Red Ausführungen folgt nun eine weitere nicht-rote 4-TB-Festplatte. Es handelt sich um einen Klassiker, dessen Serie früher enorme Berühmtheit erlangte, aber seit sieben Jahren nicht mehr produziert wird. Die WD-Green-Reihe wurde damals eingeführt, um zu den langsamen Modellen für den Desktop oder externe Festplatten mit sparsamen 5400 rpm abzugrenzen. Wer damals eine mittlere oder hohe Leistung im Desktop benötigte, griff zu den Serien Blue und Black. Im Jahr 2015 hat Hersteller WD dann die Serien Green und Blue zusammen- und unter der Bezeichnung Blue fortgeführt. Mittlerweile sind äußerst unterschiedliche Laufwerke unter der Bezeichnung Blue verfügbar. Ganz neu auf dem Markt ist die WD80EAZZ, bei welcher es sich um eine Luft-gefüllte 8-TB-Festplatte mit CMR-Aufnahmemethode und kuriosen 5640 rpm handelt. Bei den Modellen WD20EZAZ – WD60EZAZ handelt es sich um Standard-SMR-Festplatten mit 5400 rpm. Die WD20EZBX ist eine Festplatte mit SMR und 7200 rpm, also eine ähnliche Kombination wie bei der Seagate BarraCuda ST500LM034 (ehemals BarraCuda Pro 2,5 Zoll, Link zu meinem Artikel auf Hardwareluxx.de). Weiter geht es mit der WD5000AZRZ (500GB) bzw. WD10EZRZ (1TB), mit CMR und 5400 rpm sowie WD5000AZLX (500 GB) bzw. WD10EZEX, mit CMR und 7200rpm. Von den Festplatten der Blue-Serie zu sprechen, ist also gar nicht einfach. Die WD10EZRZ ist übrigens ein Relikt aus der Zeit der Green-Laufwerke und passt, genauso wie die von mir auf Hardwareluxx getestete WD60EZRZ (Link zum Artikel), in die Zeit der hier vorgestellten WD Green mit 4 TB.

Auch wenn es zu diesem Modell aktuell kein Datenblatt mehr gibt, bei Western Digital konnte ich ausreichend Informationen finden und auch nachvollziehen. Die Festplatte wurde im Anschluss an die Tests geöffnet und zerlegt, so lassen sich auch zuverlässige Angaben über die Anzahl der verbauten Platter machen.

Dies ist nun schon die zweite geöffnete Festplatte. Zuletzt habe ich eine Seagate IronWolf Pro, 12 TB, ST12000NE0007 zerlegt. Hier geht es zum Beitrag.

Durchführung – Teil 1

Lieferumfang und technische Daten

Ein passendes Datenblatt konnte ich glücklicherweise noch finden.

HerstellerWestern Digital
SerieGreen
ModellWD40EZRZ
Kapazität4 TB
Platter4
Lese-/ Schreibköpfekeine Angabe
Betriebstemperatur0°C – 65°C
AufnahmemethodeCMR
Lade-/ Entladezyklen300000
Workload-Ratekeine Angabe
Cache64 MB
U/minIntelliPower
Übertragungsgeschwindigkeit (max.)150 MB/s
nicht korrigierbare Lesefehler pro gelesenem Bit, max.1 Sektor pro 10E14
ÜbertragungsstandardSATA III
Energieverbrauch Last/ Leerlauf/Standby5,3 W / 3,4 W /0,4 W
Geräusch ( dB(A) ) Leerlauf / Last28 / 25
MTBFkeine Angabe
Garantie2 Jahre

Im Datenblatt 2879-800026-A00 vom Mai 2014 steht unter anderem auch dieser wertvolle Hinweis:

WD Green hard drives are tested and recommended for primary use in desktop and All-in-One PCs, as secondary storage for archiving, in external cases or as reliable backup storage. Desktop drives are not recommended for use in RAID environments. Please use WD Red™ storage for NAS or RAID applications.** WD hard drives are designed and tested for use in specific applications and environments. This ensures that your hard drive is compatible with and functions properly in your application. Our hard drives are warranted against defects in materials and workmanship in the system for which they were designed. Use in systems other than for what the hard drive was designed could result in compatibility problems that affect proper function, unrelated to material and/or workmanship defects. For best results, be sure to select the appropriate product for your application by consulting our product spec sheets on our website at www.wd.com or by calling our customer support line where we would be happy to help you through the selection process.

Da auch heute noch immer wieder Festplatten aus Kostengründen aus externen Gehäusen ausgebaut werden und dann fälschlicherweise im NAS-Betrieb eingesetzt werden, ist diese Warunung stets aktuell.

Detaillierte Bilder

Die Oberseite mit dem typischen Etikett der WD-Green-Reihe. Auf der Fotoaufnahme erscheint die silberne Oberfläche recht dunkel.

Die Rückseite der WD Green mit 4 TB.

In der Seitenansicht sind alle Befestigungslöcher vorhanden.

Vorder- und Rückseite der WD40EZRZ.

Festplatte, geöffnet.

Der Deckel ließ sich ohne Probleme aufschrauben. Ein Einsatz von schwerem Werkzeug zur Überwindung des Helium-Siegels, wie bei der Seagate IronWolf Pro, 12 TB, war natürlich nicht notwendig.

Die Platter sind gut verschraubt und die Köpfe in Parkposition.

Eine große Überraschung waren die vier Platter. Mit einer Dicke von 1,5 mm (Abstand zum nächsten Platter 1,75 mm) sind sie enorm stark. Auf dem rechten Bild sind die Arme mit den Schreib- / Leseköpfen an der Spitze sehr gut zu erkennen.

Entfernt man die Abdeckung der Armmechanik, wird die Spule für den Antrieb sichtbar. Die Platter sind von einander durch Abstandshalter und Profile getrennt. Diese sind auf der rechten Seite ausgespart, um den Armen ausreichenden Bewegungsspielraum zu geben.

Alle Platter und Abstandsprofile sind demontiert. Optisch ansprechend durch ihre Bearbeitung ist die leere Spindel im Fokus des rechten Bilds.

Die Rückseite des Deckels und die oberste Scheibe zum Halten der Platter. Gut zu erkennen, die Dichtung, welche am Deckel umlaufend aufgebracht ist.

Bewegte Bilder

Natürlich gibt es auch zu dieser Festplatte ein Video auf dem Youtube-Kanal des Fireblsblogs.

Link zum Video

Durchführung – Teil 2

Energieverbrauchsmessung

Die Energieverbrauchsmessung führe ich wie üblich für Festplatten durch. Den genauen Ablauf der drei Tests habe ich auf einer separaten Seite beschrieben. Hier gehts zu den Messmethoden.

Legende zu den Messungen:

Kanal 1 (gelb) stellt die Spannungsmessung 12 V bei einer Darstellung von 10 V je Kästchen dar. Kanal 2 (türkis) stellt die Spannungsmessung 5 V bei einer Darstellung von 5 V je Kästchen dar. Kanal 3 (rosa) stellt den Stromverlauf auf der 12 V Schiene dar, bei einem Verhältnis von 2 A je Kästchen. Kanal 4 (blau) stellt den Stromverlauf der 5 V Schiene bei einem Verhältnis von 1 A je Kästchen dar. Der mit MATH gekennzeichnete Kanal stellt das Produkt einer Multiplikation von Kanal eins und drei dar, also die Leistung auf der 12 V Schiene. Für 5 V müssen wir diese Berechnung von Hand durchführen. Da das Oszilloskop uns eine .csv Datei mit allen Messwerten erstellt hat, ist das kein Problem.

U ist die Bezeichnung für Spannung und wird in Volt (V) angegeben. I ist die Bezeichnung für Strom und wird in Ampere (A) angegeben. P ist die Bezeichnung für die elektrische Leistung und wird in Watt (W) angegeben.

Messung 1 Anlauf

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max AMP1
U 12V12,0 V11,70 V
U 5V5,20 V5,12 V
I 12V1,76 A1,79 A
I 5V0,68 A0,70 A
P 12V20,00 W20,0 W
P 5V 3,54 W3,59 W

1Spannungswert zwischen dem Mittelwert der oberen Signalformdachschräge und dem Mittelwert der unteren Signalformdachschräge. Dieser ermöglicht uns eine bessere Interpretation der Ergebnisse im hohen Wertebereich, da so die höchsten Spitzen mathematisch geglättet werden.

Rund 24 W bzw. 2 A bieten eine hohe Kompatibilität auch zu klein dimensionierten Systemen.

Messung 2 Idle

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Durchschnitt
U 12V11,70 V
U 5V5,00 V
I 12V0,278 A
I 5V0,047 A
P 12V3,00 W
P 5V0,23 W

Ein Verbrauch von 3,3 W im Leerlauf ist heute für Luft-Festplatten jeder Größe zwar problemlos erreichbar, war aber zum damaligen Zeitpunkt ein guter Wert.

Messung 3 Kopieren

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max Durchschnitt
U 12V12,00 V11,90 V
U 5V5,20 V5,00 V
I 12V1,52 A0,271 A
I 5V0,76 A0,38 A
P 12V17,6 W3,08 W
P 5V3,95 W1,88 W

In Anbetracht des Verbrauchs im Leerlauf und der nur vier vorhandenen Platter ist ein Kopier-Verbrauch von unter 5 W erwartungsgemäß gut.

Messung 4 Random-Access-Read

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max Durchschnitt
U 12V12,80 V11,80 V
U 5V5,20 V5,00 V
I 12V1,68 A0,60 A
I 5V0,68 A0,241 A
P 12V20,00 W6,83 W
P 5V3,54 W1,21 W

Auch im vierten Test zeigt sich, dass die WD40EZRX auch unter größter Last sehr sparsam arbeitet.

Benchmarks

Für die Benchmarks habe ich die Festplatten im Hardwareluxx.de-Test-PC gemessen, um eine Vergleichbarkeit mit den Hardwareluxx-Ergebnissen herstellen zu können. Das Testsystem kann hier eingesehen werden.

Im schreibenden Test von HD-Tune lässt sich ersehen, dass es sich mit hoher Warscheinlichkeit um eine Festplatte mit Shingled-Magnetic-Recording, SMR, handelt. Bei diesen wird zuerst der On-Disk-Cache, welcher konventionell arbeitet, vollgeschrieben und spätestens bei vollständiger Füllung müssen die Daten auf die überlappenden SMR-Bahnen geschrieben werden. Aufgrund dieser Verzögerung und durch die eventuelle Überlappung neu zu beschreibender Bahnen, kommt es hier zu Unterbrechungen des Schreibens. Diese Aussetzer sind als starke Schwankungen, bis hin zum vollständigen Stopp des Schreibens, gut identifizierbar.

Chrystal Disk Mark 6.0.2

Chrystal Disk Mark 8.0.0

ATTO Disk Benchmark 4.00.0f2

HD-Tune Pro 5.70 Lesen

HD-Tune Pro 5.70 Schreiben

HD-Tune Pro 5.70 Random-Access-Read

Bewertung

Auch wenn die Leistungen über den Angaben im Datenblatt des Herstellers liegen, sind heutige 4-TB-Festplatten deutlich schneller. Für das Erscheinungsjahr waren die Leistungen mehr als in Ordnung, insbesondere wenn man die Ausrichtung der Festplatte auf niedrige Leistungsaufnahme und ein geringes Betriebsgeräusch berücksichtigt.

Schallpegelmessung

Bei der Schallpegelmessung wird, wie bei der Messtechnik beschrieben, der Betriebsschallpegel gemessen.

Wie zu erwarten, ist die WD Green sehr leise. Hierbei ist besonders das Mittel zwischen den beiden Messpunkten hervorzuheben. Ein maximaler Betriebsschallpegel von 26,9 dB(A) ist schon gut, ein Durchschnitt von 23,7W ist aber ganz hervorragend.

Fazit

Gerade durch das Öffnen der Festplatte war dieser Test sehr informativ. Das die Green-Serie in die Blue-Serie übergegangen ist, macht aus heutiger Sicht Sinn. Eine Serie für günstige Desktop-Festplatten und eine Serie für Hochleistungsmodelle sind in Zeiten von SSDs mehr als ausreichend. Im Gegensatz zu den heutigen WD-Blue-Festplatten verfügt die hier getestete WD40EZRX noch über CMR als Aufnahmemethode und ist somit auch noch sehr gut als sparsame Backup-Festplatte nutzbar.