Western Digital Red Pro, 10 TB, WD101KFBX im Test.

Mit der WD Red Pro in der 10-TB-Variante habe ich eine Festplatte im Test, welche noch gar nicht so alt ist, aber bereits markttechnisch komplett überholt ist. Es handelt sich hierbei um eine Festplatte mit 10 TB und Helium-Füllung. Heute wird diese Kapazität von allen Herstellern nur noch als Luft-gefüllte Festplatte angeboten. Ähnliches galt in der Anfangszeit der Helium-gefüllten Festplatten für die Modelle mit 8 TB.

Als Red Pro versteht sich die WD101KFBX als NAS-Festplatte für größere Lasten. Im Gegensatz zur normalen Red Plus (Einen Überblick habe ich hier zusammengefasst), welche nur mit bis zu 7 anderen Festplatten eingesetzt werden dürfen, können die Modelle der Red-Pro-Serie in Verbünden von bis zu 24 Festplatten genutzt werden. Zusätzlich verfügen sie über ein Maximum-Rated-Workload von 300 TB statt nur 180 TB.

Durchführung – Teil 1

Lieferumfang und technische Daten

Ein passendes Datenblatt konnte ich glücklicherweise noch finden.

HerstellerWestern Digital
SerieRed Pro
ModellWD101KFBX
Kapazität10 TB
Platterkeine Angabe
Lese-/Schreibköpfekeine Angabe
Betriebstemperatur0°C – 65°C
AufnahmemethodeCMR
Lade- / Entladezyklen600000
Workload-Rate300 TB
Cache256 MB/s
U/min7200 U/min
Übertragungsgeschwindigkeit (max.)240 MB/s
nicht korrigierbare Lesefehler pro gelesenem Bit, max.1 Sektor pro 10E14
ÜbertragungsstandardSATA III
Energieverbrauch Last/Leerlauf/Standby5,7 W / 2,8 W /0,5 W
Geräusch ( dB(A) ) Leerlauf /Last36 / 20
MTBF1.000.000
Garantie5 Jahre

Detaillierte Bilder

Die Oberseite der WD101KFBX. Die Bauart des Gehäuses hat sich bis heute nicht verändert. Ob WD Red Pro, 16 TB, WD161KFGX (sobald auf Hardwareluxx veröffentlicht, folgt der Link) oder WD Gold, 18 TB, WD181KRYZ (Link zum Artikel auf Hardwareluxx.de), bei beiden ist das Gehäuse unverändert.

Eine wichtige Sache ist hier aber unverkennbar. Das Produktionsdatum liegt zum Zeitpunkt des Artikels bereits mehr als 2,5 Jahre in der Vergangenheit. Bei WD gibt es zwar keine Anweisungen dazu, aber Seagate sagt folgendes: Festplatten dürfen ab Werk ungeöffnet maximal 12 Monate gelagert werden. Geöffnet und in Betrieb genommen sollte eine Festplatte alle 30 Tage eingeschaltet werden. Wie wir an meinem Testsample sehen können, funktioniert die Festplatte zwar noch einwandfrei. Dies muss aber nicht die Regel sein. Gerade wenn man eine neue Festplatte für teures Geld erwirbt, sollte man darauf achten, dass das Laufwerk nicht bereits überlagert geliefert wird.

Die Unterseite der WD101KFBX mit der Platine. Obwohl wir auf dem nächsten Bild jeweils drei Befestigungsbohrungen pro Seite sehen werden, fehlt auf der Unterseite jeweils ein Loch pro Seite.

Wie beschrieben, an der Seite sind alle Befestigungslöcher vorhanden.

Die Festplatte von vorne und von hinten. Bauartbedingt musste ein ausgemusterter DDR1-Arbeitsspeicherriegel beim Aufstellen der Festplatte für das Bild behilflich sein.

Bewegte Bilder

Natürlich gibt es auch zu dieser Festplatte ein Video auf dem Youtube-Kanal des Fireblsblogs.

Link zum Video

Durchführung – Teil 2

Energieverbrauchsmessung

Die Energieverbrauchsmessung führe ich wie üblich für Festplatten durch. Den genauen Ablauf der drei Tests habe ich auf einer separaten Seite beschrieben. Hier gehts zu den Messmethoden.

Legende zu den Messungen:

Kanal 1 (gelb) stellt die Spannungsmessung 12 V bei einer Darstellung von 10 V je Kästchen dar. Kanal 2 (türkis) stellt die Spannungsmessung 5 V bei einer Darstellung von 5 V je Kästchen dar. Kanal 3 (rosa) stellt den Stromverlauf auf der 12 V Schiene dar, bei einem Verhältnis von 2 A je Kästchen. Kanal 4 (blau) stellt den Stromverlauf der 5 V Schiene bei einem Verhältnis von 1 A je Kästchen dar. Der mit MATH gekennzeichnete Kanal stellt das Produkt einer Multiplikation von Kanal eins und drei dar, also die Leistung auf der 12 V Schiene. Für 5 V müssen wir diese Berechnung von Hand durchführen. Da das Oszilloskop uns eine .csv Datei mit allen Messwerten erstellt hat, ist das kein Problem.

U ist die Bezeichnung für Spannung und wird in Volt (V) angegeben. I ist die Bezeichnung für Strom und wird in Ampere (A) angegeben. P ist die Bezeichnung für die elektrische Leistung und wird in Watt (W) angegeben.

Messung 1 Anlauf

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max AMP1
U 12V12,0 V11,80 V
U 5V5,20 V5,00 V
I 12V2,00 A1,67 A
I 5V0,88 A0,894 A
P 12V22,4 W18,8 W
P 5V 4,576 W4,47 W

1Spannungswert zwischen dem Mittelwert der oberen Signalformdachschräge und dem Mittelwert der unteren Signalformdachschräge. Dieser ermöglicht uns eine bessere Interpretation der Ergebnisse im hohen Wertebereich, da so die höchsten Spitzen mathematisch geglättet werden.

Mit einer kombinerten Leistung von knapp 27 W ist die WD101KFBX wirklich sparsam und liegt auf dem Niveau der WD121KFBX.

Messung 2 Idle

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Durchschnitt
U 12V11,9 V
U 5V5,00 V
I 12V0,363 A
I 5V0,165 A
P 12V3,98 W
P 5V0,825 W

Besonders bei der Messung im Leerlauf lässt sich die geringe Energieaufnahme bei Helium-gefüllten Festplatten sehr gut aufzeigen. Mit unter 5 W liegt sie für eine Festplatte von Western Digital auf einem guten Niveau. Da Seagate Festplatten durch das Power-Choice-Feature unabhängig vom Controller Energiesparmaßnahmen treffen können, lassen sich hier noch deutlich niedrigere Werte erzielen.

Messung 3 Kopieren

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max Durchschnitt
U 12V12,0 V11,9 V
U 5V6,00 V5,00 V
I 12V1,84 A0,371 A
I 5V0,56 A0,36 A
P 12V20,8 W4,05 W
P 5V3,36 W1,8 W

Mit knapp unter 6 W liegt die WD101KFBX speziell für eine WD Red Pro auf einem guten Niveau. WD121KFBX mit 6,31 W und WD161KFGX mit 6,72 W benötigen hier mehr Energie.

Messung 4 Random-Access-Read

Nachfolgend sind die Ergebnisse interpretiert:

Kanal Max Durchschnitt
U 12V12,8 V11,9 V
U 5V5,20 V5,00 V
I 12V1,84 A0,898 A
I 5V0,72 A0,302 A
P 12V22,4 W10,3 W
P 5V3,74 W1,51 W

Bei der letzten Messung liegen die drei Red-Pro-Modelle recht nah beieinander. Die Messung bei Volllast ist gerade für WD-Red-Pro- und WD-Gold-Modelle, die eher auf Leistung ausgelegt sind, nicht die erfolgreichste Disziplin.

Benchmarks

Für die Benchmarks habe ich die Festplatten im Hardwareluxx.de-Test-PC gemessen, um eine Vergleichbarkeit mit den Hardwareluxx-Ergebnissen herstellen zu können. Das Testsystem kann hier eingesehen werden.

Im schreibenden Test von HD-Tune lässt sich ersehen, dass es sich mit hoher Warscheinlichkeit um eine Festplatte mit Shingled-Magnetic-Recording, SMR, handelt. Bei diesen wird zuerst der On-Disk-Cache, welcher konventionell arbeitet, vollgeschrieben und spätestens bei vollständiger Füllung müssen die Daten auf die überlappenden SMR-Bahnen geschrieben werden. Aufgrund dieser Verzögerung und durch die eventuelle Überlappung neu zu beschreibender Bahnen, kommt es hier zu Unterbrechungen des Schreibens. Diese Aussetzer sind als starke Schwankungen, bis hin zum vollständigen Stopp des Schreibens, gut identifizierbar.

Chrystal Disk Mark 6.0.2

Chrystal Disk Mark 8.0.0

ATTO Disk Benchmark 4.00.0f2

HD-Tune Pro 5.70 Lesen

HD-Tune Pro 5.70 Schreiben

Dieses aufgezeichnete Schreibverhalten konnte ich so noch bei keiner anderen Festplatte beobachten. Die nächste Variante mit mehr Kapazität, die WD Red Pro, 12 TB, WD121KFBX habe ich bei Hardwareluxx getestet (Link zum Artikel auf Hardwareluxx.de). Ein solches Schreibverhalten konnte ich dort nicht feststellen.

HD-Tune Pro 5.70 Random-Access-Read

Bewertung

Abgesehen von der besonderen Kurve bei HD-Tune im schreibenden Testlauf (was nicht unbedingt schlecht sein muss) handelt es sich meiner Meinung nach um ein sehr gutes Exemplar der WD101KFBX. Verglichen mit der WD121KFBX und der WD161KFGX bei Hardwareluxx kann die Variante mit 10 TB in allen Tests das 12-TB-Modell überholen und ist sogar bei Crystal Disk Mark schneller als die 16-TB-Variante.

Schallpegelmessung

Bei der Schallpegelmessung wird, wie bei der Messtechnik beschrieben, der Betriebsschallpegel gemessen.

Auch die Schallpegelmessung fällt erwartungsgemäß aus. Wie bei WD-Red-Pro-Modellen immer gut zu beobachten, ist der Unterschied zwischen Last und Leerlauf enorm. Ein nicht messbar-leiser Leerlauf ist üblich. Verglichen mit den größeren Laufwerken der Red-Pro-Reihe, fällt der maximal gemessene Schallpegel von unter 35 dB (A) aber noch erträglich aus.

Fazit

Auch wenn dieser Test der abgekündigten Festplatte niemandem mehr einen Nutzen geben kann, war er für mich doch äusserst interessant. Ich ging zwar bisher davon aus, dass 10-TB-Festplatten mit Helium ihren Nachfolgern mit Luft-Füllung überlegen waren, jedoch konnte ich mir jetzt zum ersten Mal ein eigenes Bild davon machen. Ich habe bereits vor drei Jahren die Seagate SkyHawk, 10 TB, ST10000VX0004 angesehen, jedoch stand mir damals das komplette aktuelle Testequipment noch nicht zur Verfügung. Eine Luft-gefüllte 10-TB-Festplatte ist mir zwar auch nicht verfügbar, jedoch hatte ich die Möglichkeit für Hardwareluxx eine Zusammenfassung zu 8 TB Festplatten zu schreiben (Link folgt, sobald der Artikel auf Hardwareluxx.de veröffentlicht wurde). Diese Festplatten waren die bisher größten Luft-gefüllten Modelle, wiesen einen hohen Verbrauch an elektrischer Leistung auf und waren zudem nicht sehr leise. Bei den 10-TB-Modellen kann es aufgrund der steigenden oder gleichbleibenden Platteranzahl unter Luft nur so bleiben oder schlechter werden.

Vergleiche ich also meine Erfahrungen aus diesen Tests mit der WD Red Pro, 10 TB, WD101KFBX, so komme ich zu dem Ergebnis, dass die Umstellung auf Luft, zumindest aus der Sicht von Konsumenten, keine gute Entwicklung darstellt. Die Festplatten werden lauter und verbrauchen mehr Strom. Mit Sicherheit wird die Produktion einer Festplatte mit Luft deutlich weniger kostenintensiv sein als die einer Helium-gefüllten. Da ich aber auch Nutzer der Festplatten bin, stehen natürlich die dazu passenden Kriterien für mich im Mittelpunkt. Einen wirklichen Preisrutsch im Segment der veränderten Technik der Festplatten hat es durch die Umstellung weder bei 8-TB- noch bei 10-TB-Modellen gegeben.

Aus preislicher Sicht kann zur WD101KFBX keine Bewertung mehr erfolgen, auch wenn die Festplatte noch nicht lange vom Markt ist. Der Nachfolger, die WD102KFBX, kostet aktuell ca. 310 Euro und damit gerade einmal 40 Euro mehr als das passende WD-Red-Plus-Modell. Das geht voll in Ordnung. Hier sollte man sich aber dessen bewusst sein, was ich zu Anfang des Fazits ausgiebig angesprochen habe. Die Ergebnisse dieses Artikels haben nichts mit dem Nachfolger zu tun. Aus diesem Grund habe ich mich auch für eine Veröffentlichung des Artikels auf meinem Blog entschieden. Hier befasse ich mich üblicherweise mit älteren Festplatten.

Abschließend bleibt festzustellen, dass es sich bei der WD Red Pro, 10 TB, um eine sehr gute Helium-Festplatte handelt.